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Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) - ein ethisches Wirtschaftsmodell

Das Streben nach Gewinn ist ethisch legitim. Problematisch wird es jedoch, wenn dabei die Verantwortung für das Gemeinwohl im Sinne von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit zu kurz kommt. Dies schadet der intragenerationellen und der intergenerationellen Gerechtigkeit.

Franz Galler (rechts) war als Dozent zu Gast in Dr. Andreas Fiebers Vorlesung.

Franz Galler (rechts) war als Dozent zu Gast in Dr. Andreas Fiebers Vorlesung.

Die ausschließliche Ausrichtung an ökonomischen Zielen kann zu moralisch verwerflichem Verhalten führen. Beispielsweise führte das Gewinnstreben der East India Company zu sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen in China und begründete den ersten Opiumkrieg (1839-42).

Der Begriff nachhaltige Unternehmensführung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Welche konkreten Modelle gibt es, die die betriebswirtschaftliche Rationalität um ethische Belange erweitern?

Im Rahmen des Seminars operative Unternehmensführung fand daher auf Einladung von Hr. Dr. Andreas Fieber ein Gastvortrag von Herrn Franz Galler zu dem Thema „Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) - ein ethisches Wirtschaftsmodell“ statt.

Hr. Galler ist Koordinator der Gemeinwohl-Regionalgruppe Südostbayern. Er stellte zunächst dar, in welchem Kontext Unternehmensführung gestaltet werden muss (Verteilungskrise, Armutskrise etc.). Aus der Verfassung des Freistaates Bayern leitet er die Verpflichtung für Unternehmen ab, sich für das Gemeinwohl zu engagieren (Art. 3, 103, 151, 157 und 158). So heißt es z. Bsp. in Art. 151, dass die „gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl zu dienen“ habe.

Anschließend stellte Herr Galler die Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie an Hand zahlreicher konkreter Beispiele von Unternehmen aus der Region Südostbayern dar. Demnach wird eine Gemeinwohlorientierung anstelle einer Gewinnorientierung angestrebt. Gewinn ist für ein Unternehmen überlebenswichtig, die Fragen sind jedoch:

  • Wie erziele ich meinen Gewinn?
  • Wie wird der Gewinn verwendet?

Das Herzstück der GWÖ ist die Gemeinwohl-Bilanz. Darin beurteilen die Unternehmen in Bezug auf die Werte Menschenwürde, Solidarität & Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Mitbestimmung & Transparenz ihr Verhalten gegenüber ihren Stakeholdern und Geschäftspartnern. Diese Bilanz kann zertifiziert werden. Nach erfolgreicher Zertifizierung erhält das Unternehmen Gemeinwohl-Punkte. Ziel der Gemeinwohl-Bilanz ist es, im Sinne einer ganzheitlichen Sicht neben der herkömmlichen Handelsbilanz eine zweite Bilanz zu erstellen in Bezug auf die Frage, wie gemeinwohl-orientiert ein Unternehmen mit seinen Produkten & Dienstleistungen auf das gesamte Umfeld wirkt (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Gesellschaft, Umwelt). Unternehmen, die im Sinne des Gemeinwohls mehr als andere tun, können dies über Punkte dokumentieren und erhoffen sich daraus natürlich Vorteile, z.B. über das Einkaufsverhalten der Kunden.

Großes Interesse fand auch ein alternatives Modell zur Entscheidungsfindung, das sogenannte „Systemische Konsensieren“. Damit kann in kurzer Zeit ein Meinungsbild einer größeren Gruppe erfasst und als Basis für Entscheidungen verwendet werden.

Das gemeinwohl-orientierte Spiel „Enkeltauglich Leben“ für Bürger dient dem Ziel, sein eigenes nachhaltiges Verhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Hier konnte Hr. Galler von Erfolgen aus seiner Beratungspraxis berichten.

Zuhörer waren nicht nur Studierende der Betriebswirtschaft, vor allem aus dem sechsten Semester, sondern auch interessierte Bürger. Diese beteiligten sich rege an der Diskussion und nahmen an einer Einführung in das Spiel „Enkeltauglich Leben“ teil.

Wir danken Herrn Galler für seine spannenden Ausführungen in ein Thema, das von globaler Relevanz ist, aber dennoch von jedem einzelnen auf regionaler Ebene beeinflusst werden kann.

Ausführliche Informationen zur Umsetzung der Gemeinwohl-Ökonomie in Südostbayern sind  unter www.bayern.ecogood.org/suedostbayern/ zu finden.

Infos zu weiteren Gastvorträgen finden Sie hier auf der Homepage des Campus Burghausen und im Burghauser Anzeiger. Alle Interessierte sind dazu herzlich eingeladen!